Major Tom
Multimediale Theaterperformance auf drei Bühnen.

Uraufführung Kampnagel Hamburg, Sommer 2002

Buch/Regie/Raum: Christian Wiehle
Musik/Sounddesign: Christian Mevs, Ostinato
Video: Timo Schierhorn
Dialoge: Sigrid Behrens
Film: Mathis Menneking
Kostüm: Antoni Knigge
Maske: Jana Perschmann
Lightdesign: Oliver Petrowitsch
Öffentlichkeitsarbeit: Christiane Martensen
Musik-Assistenz: Pascal Fuhlbrügge, Peta Devlin, Niclas Breslein
Film-Assistenz: Michaela Richter
Regie-Assistenz: Swen Erik Scheuerling
Bühnen-Assistenz: Jason Arseneault
Video-Assistenz: Erol Ergyn
Bühnenbau: Thomas Bobigkeit
Human Interface: Jimi Siebels
Mit: Wobine Bosch, Victoria Hauke, Jo Kappl, Ulrike Bartusch
weitere Figuren im Film: Ulla Trulla, Verena Unbehauen, Sascha Mynarik
Eine [k]-Koproduktion, gefördert von der Kulturbehörde der Freien und Hansestadt Hamburg
Mit freundlicher Unterstützung der Hamburgischen Kulturstiftung und durch den Fonds Darstellende Künste e.V. aus Mitteln des Bundes, hamburg:pur,
Sponsoren: Sd Computer Systeme, Emagic


Körper scheibchenweise abgescannt

Der Astronaut ist sein eigener Schöpfer, der schließlich den Power-Knopf findet: Tom Wiehles Inszenierung von "Major Tom" auf Kampnagel entpuppt sich als gekonnte Auflösung der Grenzen zwischen Genres, Realität und Virtualität

Der Körper ist austauschbar, Zeit und Raum scheinen grenzenlos, und doch fühlt Tom sich gefangen wie nie zuvor. »Alles ist Information«, raunt ihm das sprechende Auge zu. Bei dem Gedanken, dass materielle Schranken nun gänzlich aufgehoben seien, sucht Tom verzweifelt Halt auf der abschüssigen Rampe in seiner Bühnenbox.
Tom, vielmehr Major Tom - so auch der Name des jetzt auf Kampnagel uraufgeführten Stücks – , ist kein geringerer als der legendäre Astronaut, den Pop-Chamäleon David Bowie vor mehr als zwanzig Jahren in seinem Song Space Oddity in die Unendlichkeit des Universums hat entfleuchen lassen. Der Hamburger Regisseur Christian Wiehle holt ihn zurück auf Bühne und Leinwand, macht ihn zum Protagonisten seines Stücks Major Tom, schickt ihn auf eine philosophische Erkundungstour um die Frage nach der menschlichen Existenz. Im Widerspruch von Geist und Materie ringt Major Tom alias Olympia Orpheus um Selbsterkenntnis. Aus dem Astronautenanzug hat sich eine Frau gepellt. Bekleidet mit einem hautfarbenem Brust- und Lendenschurz aus Latex, steht sie fast nackt und hilflos da.
Die Tänzerin Wobine Bosch spielt dieses Zwitterwesen mit fast minimaler Gestik, flankiert von zwei Videowänden, deren flimmernde Pixelflut ihrer phänomenalen Präsenz nichts anhaben kann. Die Stimme leiht ihr die Schauspielerin Ulrike Bartusch.
Christian Mevs hat einen suggestiven Soundteppich daruntergelegt, aus dem sich immer wieder wilde Klangbilder aufbäumen. Sämtliche Aggregatzustände durchläuft derweil der Körper auf der Leinwand, wird scheibchenweise durchgescannt. Streng durchkomponiert sind Bewegung, Stimmen, Gesang und Rhythmus der Bilder.
»Science Fiction Performance« nennt Wiehle dieses multimediale Spektakel. Und in der Auflösung von Raum, Zeit und Körper surfen er und seine Crew geschickt an den Grenzen der verschiedenen Genres entlang. Das gekonnte Spiel mit der Technik fasziniert. (...)
Marga Wolff, taz 03. Juni 2002





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